Die Geschichte der Sportakrobatik

Die Akrobatik hat ihren Ursprung weltweit und zählt zu den ältesten speziell trainierten Körperübungen überhaupt.
Davon zeugen Funde aus Ägypten, China, Mexiko, und Skandinavien. Die ältesten Funde sind sicher aus Ägypten, wo etwa 4000 Jahre alte Reliefdarstellungen, gefunden bei Theben, akrobatische Übungen darstellen. In Mexiko gab es gefundene Plastiken mit akrobatischen Darstellungen, die in die Zeit zwischen 1300 und 800 v. Chr. datiert wurden.
Zwischen den aus der Bronzezeit (2000 – 750 v. Chr.) stammenden Höhlenzeichnungen in Skandinavien finden wir Darstellungen von akrobatischen Sprüngen.
Zur Zeit der Han-Dynastie in China ab 206 v. Chr. gab es eine regelrechte Blütezeit der Akrobatik, wie Aufzeichnungen aus alten Grüften bezeugen.
In Griechenland, dem Ursprungsland der Olympischen Spiele, gab es in der Akrobatik schon regelrechte Spitzenleistungen auch nach unserem heutigen Verständnis.
Die Römer nutzten das Pyramidenbauen für militärische Zwecke, um damit die hohen Mauern des Feindes zu überwinden, aber zu ihrer Zeit waren auch Gaukler sehr beliebt.
Zu den Venezianischen Spielen in Italien wurde das Pyramidenbauen um 1600 regelrechte Wettkampfdisziplin. Ähnliches gibt es in Spanien auch heute noch.

Die Akrobatik wurde besonders vom fahrenden Volk, den Gauklern, Seiltänzern, und Bankisten genutzt und in den Familien weiterentwickelt.
Ein erstes Buch über die Akrobatik erschien 1599 von Tuccaro in französischer Sprache.
Mit der Entstehung des Zirkus im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und des Varietés im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bekam die Akrobatik einen besonderen Auftrieb.
Ohne systematisches Üben war man der Konkurrenz nicht mehr gewachsen. Um 1900 gab es in Deutschland ca. 30.000 Artisten, davon mindesten die Hälfte Akrobaten. Die ersten Akrobatenschulen waren entstanden und bildeten Akrobaten wie Lehrlinge aus. Meistens lag die Ausbildung in dieser Zeit aber noch in den Händen der Familien. Die Entwicklung des Turnens und des Sports hatte auch hier wechselseitig bedingt einen großen Einfluss.

1900 gab es schon Spitzenleistungen, die auch heute noch absoluten Bestand haben.
Die Kremo-Familie (Artistenfamilie aus Groß-Köris bei Berlin) zeigte europaweit einen dreifachen Salto von den Füßen geworfen und wieder gefangen.
Die Gebrüder Schenk zeigten einen Handstand auf den Füßen des Unterpartners, der ebenfalls im Handstand stand. Mit der Entwicklung des Sports fanden bald viele Athleten als Amateure gefallen an den Akrobatenkunststücken, denn bis dahin diente die Akrobatik vorwiegend zum Unterhaltserwerb für Artisten.

Die Gründung des Deutschen Athletenverbandes 1891 gilt auch für die deutschen Sportakrobaten als Beginn ihrer sportlichen Entwicklung.
Bis Ende der 50er Jahre waren es noch regelrechte Amateur-Artistenwettstreite, die seit 1925 auch als Deutsche Meisterschaften innerhalb des Athletenverbandes ausgetragen wurden.
Große Impulse gab es nach dem 2. Weltkrieg, als besonders im damaligen Ostblock insbesondere in der Sowjetunion, Polen, Bulgarien und der DDR die Akrobatik zur heutigen Sportart entwickelt wurde. Es entwickelte sich ein weltweit einheitliches Wettkampfsystem, das sich hauptsächlich an dem sowjetischen Programm orientierte. In den Ostblockstaaten ergab sich daraus eine größere Nähe zu den Turnverbänden. Das in der Sowjetunion aufgebaute Klassifizierungssystem kam in diesen Ländern mehr und mehr zur Anwendung.

Dies lässt sich besonders an der deutschen Entwicklung erkennen, wo nach dem 2. Weltkrieg in beiden deutschen Staaten zunächst der Kunstkraftsport in den Athletenverbänden fortgeführt wurde. So wurden teilweise auch gemeinsame deutsche Meisterschaften, wie 1953 in Mainz-Weisenau und 1954 in Leipzig (Jugend), veranstaltet, aber ab 1956 passte sich der Osten mehr den sportlichen Belangen des Turnens an. Durch sportwissenschaftliche Systematisierung wurden sie dem Turnverband zugeordnet und nannten sich fortan Sportakrobaten.
Im Westen blieb man dagegen unter dem Zirkushistoriker und Sammler Edwin Schirmer aus Hamburg der alten Tradition zunächst treu (unter seiner Leitung waren 1955 Deutsche Meisterschaften z. B. in Coburg). Bis 1975 war es dort noch der Deutsche Kunstkraftsportverband (anschließend Deutscher Sportakrobatik-Bund), der nach der Herauslösung aus dem Athletenverband die Geschicke führte. Die Anpassung erfolgte aber sehr schnell als die Internationalisierung der Sportakrobatik einsetzte.

1957 gab es in Warschau von Polen organisiert das erste internationale Akrobatikturnier mit Polen, Bulgarien, der Sowjetunion und der DDR. Weitere Ländervergleiche folgten wechselseitig und dienten der internationalen Entwicklung. Beide deutschen Verbände waren 1973 bei der Gründung eines internationalen Verbandes der Internationalen Föderation für Sportakrobatik (IFSA) in Moskau vertreten.
1985 wurde die IFSA (die Sportakrobatik) vom IOC als olympische Sportart anerkannt.
1998 löste sich die IFSA in Minsk auf und schloss sich dem Internationalen Turnerbund (FIG) an, der bereits einen Antrag an das IOC gestellt hat, die Sportakrobatik 2008 in das Olympische Programm zu nehmen. Dies wurde leider bisher abgelehnt.
Die ersten Weltmeisterschaften richtete 1974 Moskau aus, die zunächst alle zwei Jahre, später auch jährlich stattfanden. In der FIG finden Weltmeisterschaften alle zwei Jahre statt. In den dazwischen gelegenen Jahren finden Kontinentalmeisterschaften (in Europa die Europameisterschaften unter der UEG) statt.

In Deutschland wurden Weltmeisterschaften 1976 in Saarbrücken, 1990 in Augsburg, 1996 und 2002 in Riesa ausgetragen. Deutschland war 1995 in Riesa auch Gastgeber der Juniorenweltmeisterschaften und 1997 in Baunatal der Europameisterschaften. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten gab es bereits 1990 gemeinsame Deutsche Meisterschaften in Marburg. Zu diesen Deutschen Meisterschaften wurden die neuen Bundesländer in den Deutschen Sportakrobatik-Bund (DSAB) aufgenommen.

1991 wurde der erste gesamtdeutsche Vorstand gewählt. Als relativ kleiner Verband mit erheblichen materiellen Problemen behaftet, hat der DSAB sportlich unter der Anleitung des bulgarischen Trainers Vitcho Kolev (in Bulgarien promoviert) Hervorragendes geleistet. Mittlerweile gewinnen deutsche Sportakrobaten bei Welt- und Europameisterschaften zwar sehr wenige aber regelmäßig Medaillen und gute Platzierungen.

Die Landesverbände waren in drei verschiedenen Landesfachverbänden organisiert, so in eigenständigen Sportakrobatikverbänden, im Schwerathletikverband und in Landesturnverbänden, die zusammengefasst Mitglied im Deutschen Sportakrobatik-Bund e. V. waren. Bis auf Bayern,
Württemberg und Hessen waren alle den Landesturnverbänden beigetreten. Inzwischen gab es aus förderbedingten Gründen eine Rückorientierung. Das Saarland, Rheinland-Pfalz (Sportakrobatikverband Rheinland-Pfalz) und Nordrhein-Westfalen haben wieder eigene Landesverbände gegründet. Im ostdeutschen Raum gibt es eine andere Tradition, so dass es hier vorwiegend bessere Bedingungen gibt in der Zusammenarbeit mit den LTV.

Die vorgesehen Fusion des Deutschen Sportakrobatik-Bundes mit dem Deutschen Turner-Bund kam im Jahre 2000 nicht zu Stande, da die 32er (inzwischen 33-er Vertrag) Fernsehvertragsrechte nicht auf den DTB übertragen werden konnten. Dadurch wäre zunächst ein erhebliches finanzielles Loch entstanden, was niemand hätte ausgleichen können. Somit wurde die Fusion auf unbestimmte Zeit
verschoben. Über eine enge Zusammenarbeit vertritt der Deutsche Turner-Bund die Sportakrobaten international. Durch gewählte Vertreter aus dem DSAB ist die Sportakrobatik in allen internationalen Gremien wie die FIG und die UEG vertreten.

2018 wird die Sportakrobatik bei den III. Olympischen Jugend-Sommerspielen in Buenos Aires vertreten sein; zum ersten Mal und zunächst auch nur in der Disziplin der Damengruppen. Diese gilt als Testlauf für Olympia 2024.